„Wenn vom Wienwert nichts mehr übrig bleibt“

Die Wienwert AG-Mutter WW Holding AG räumt am 18.1.2018 ihre Zahlungsunfähigkeit ein und kündigt einen Insolvenzantrag an. Eine am 20. Dezember 2017 fällig gewordene Anleihe habe nicht mehr bedient werden können. Im Zuge der Sanierung solle die Tochter Wienwert AG verkauft werden. Am 21.1.2018 entschuldigt sich der Vorstand der WW Holding AG und Wienwert AG in einem offenen Brief „mit dem Ausdruck größten Bedauerns“ bei den rund 900 Anlegern, „die Problemstellungen aus der Vergangenheit“ habe man nicht lösen und dadurch die WW Holding AG auch nicht sanieren können. Am 1.2.2018 beantragt die WW Holding AG schließlich ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung, bei dem es mindestens 20 Prozent Quote für die Gläubiger geben muss. Bekräftigt wird, dass die nicht insolvente Tochter Wienwert AG, deren Eigentümerin zu 99,99 Prozent die WW Holding AG ist, verkauft werden solle.

Am 12.3.2018 kündigt schließlich auch die Wienwert AG als Tochterunternehmen der WW Holding AG den Insolvenzantrag in eigener Sache an. Es habe zwar laut Aussendung mehr als ein Dutzend Interessenten für die Wienwert AG gegeben, doch letztlich sei all diesen potentiellen Investoren das Risiko zu groß geworden.
 
Der Antrag auf Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung der WW Holding wurde mittlerweile zurückgezogen und das Verfahren als Insolvenzverfahren weitergeführt. Die WW Holding verfügt nach dem Bericht des Masseverwalters in der ersten Gläubigerversammlung am 16.2.2018 derzeit über ein liquides Vermögen von EUR 40.000,--, wobei der ursprünglich angedachte Versuch, über den Verkauf der Tochter Wienwert AG Geld in die Masse zu bringen, durch den auch für die Tochter eingebrachten Insolvenzantrag nunmehr als gescheitert zu betrachten ist. Wir halten geschädigte Anleger jedenfalls über das nunmehr auch hinsichtlich der Tochter zu eröffnende Insolvenzverfahren auf dem Laufenden. Dieser Artikel wird in diesem Sinne auch laufend aktualisiert.

Anleger, die Anleihen der WW Holding AG gezeichnet haben, haben bis zum 3. April 2018 die Möglichkeit, ihre Forderungen im Insolvenzverfahren anzumelden. Diese Anmeldung sollte jedenfalls vorgenommen werden, selbst wenn die Chance der Anleger, im Insolvenzverfahren der WW Holding selbst, Befriedigung für Ihre Forderungen zu erhalten, momentan noch nicht abgeschätzt werden kann. Die Alix Frank RA GmbH bietet jedenfalls Anlegern, die ihr Vollmacht dazu erteilen, an, Ihre Forderungen zeitgerecht und rechtswirksam beim zuständigen Kurator im Insolvenzverfahren der WW Holding AG anzumelden. In diesem Zusammenhang werden die Anleger auch ersucht, bis längstens 2. April 2018 einen aktuellen Depotauszug der jeweiligen Veranlagung bei der WW Holding AG zu übermitteln. Der Depotauszug wird nach Prüfung als Bestandteil der Forderungsanmeldung beim Handelsgericht Wien eingebracht, um jedenfalls sicherzustellen, dass die jeweilige Forderung im Rahmen des Insolvenzverfahrens der WW Holding AG auch Berücksichtigung findet.
 
Darüber hinaus wären im Rahmen der Insolvenz der WW Holding AG sowie nunmehr auch der Tochter Wienwert AG für daran interessierte Anleger auch weitere Anspruchsgrundlagen zu prüfen. Zur Diskussion stehen zivilrechtliche Prospekthaftungsansprüche gegen ehemalige und aktuelle Vorstände der WW Holding AG und der Wienwert AG wegen möglicherweise falscher, irreführender, fehlerhafter oder mangelhafter (Kapitalmarkt)prospekte, die von den Anleihenzeichnern in Anspruch genommen werden könnten. Haftungsgrundlagen hinsichtlich beider Unternehmen bzw deren Vorstände könnten sich unter Umständen aber auch nach dem Kapitalmarktgesetz ergeben. Eine weitere Haftungsgrundlage bietet möglicherweise das Unternehmensgesetzbuch hinsichtlich der Erteilung von Bestätigungsvermerken und Fortbestehensprognosen von Wirtschaftsprüfern. Es kann aber auch die Haftung der Finanzmarktaufsicht hinsichtlich der Prüfung von Kapitalmarktprospekten oder eine Haftung  im Zuge der Emission von Anleihen eingesetzten Treuhändern oder auch eine Haftung aufgrund möglicherweise falscher, irreführender, fehlerhafter oder mangelhafter Ad-Hoc-Meldungen von Vorständen der WW Holding AG und der Wienwert AG im Zusammenhang mit der EU-Marktmissbrauchsverordnung, sowie unter Umständen der Republik Österreich aufgrund der Kooperation Wienwert – Bundespensionskasse beziehungsweise dem der BPK gehörigen Luxemburger „Sicav-Fonds“ in Frage kommen. Auch Banken könnten hinsichtlich der - von der zumindest von der WW Holding AG immer wieder behaupteten - „grundbücherlichen Besicherung“ von emittierten Anleihen haftungsbegründende Fehlleistungen begangen haben.
 
Es ist sohin angezeigt, den Vorgängen rund um das über die WW Holding AG und deren Tochter, der Wienwert AG eröffnete Insolvenzverfahren umfassend und in jede denkbare Richtung nachzugehen, um zumindest sicherzustellen, dass ein den Anlegern möglicherweise von den involvierten Kreisen zugefügter Schaden so weit wie nur möglich kompensiert wird. 

RA Mag. Cedric Müller (c.mueller(at)alix-frank.co.at)
RA MMag. Franz J Heidinger (f.heidinger(at)alix-frank.co.at)
RA Dr. Alix Frank-Thomasser (a.frank(at)alix-frank.co.at)